Klimaethik, от 19 до 167 стр.
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z. Is it too late?
Is it too late? - so betitelte der amerikanische Theologe John B. Cobb, auch als Vertreter der »Prozesstheologie« in der Nachfolge Alfred North Whiteheads bekannt, seine Monographic zur Umweltethik von 1972, eine der ersten in einer langen Reihe ahnlicher Veroffentlichungen.5 Das Buch er-schien gleichzeitig mit dem Bericht Grenzen des Wachstums des Club of Rome, dessen Titel fur Jahrzehnte zu einem To-pos der Umweltrhetorik wurde. Dass es moglicherweise bereits »zu spat« war, um das Abrutschen in eine irreversible Spirale der Umweltzerstorung zu verhindern, entsprach den diisteren Zukunftsszenarien, mit denen der Club of Rome die Welt aufriittelte. Diese Szenarien wichen erheb-lich von der spateren tatsachlichen Entwicklung der Um-weltbelastungen ab. Aus heutiger Sicht erwiesen sich die Projektionen des Berichts (die ja keineswegs den Anspruch auf prognostische Richtigkeit erhoben hatten) als suicidal predictions - als Unheilsszenarien, die sich, einmal an die Offentlichkeit gebracht, selbst falsifizierten. Die befiirchte-ten Eskalationen blieben aus, weil sich fur eine Vielzahl von Umweltbelastungen (wenn auch nicht fur alle) nicht nur Vermeidungstechniken fanden, sondern es auch gelang, diese in die Wirtschaftskreislaufe einzufiihren. Fur viele schad-liche Stoffe wurden Substitute gesucht und gefunden, und der technische Umweltschutz konnte die Umweltschadlich-keit der weiterhin verwendeten Substanzen erheblich redu-zieren, teilweise um ein Mehrfaches dessen, was Meadows und Kollegen in ihren Szenarien veranschlagt hatten. Bei ei-nigen grenzuberschreitenden Umweltbedrohungen kam es friihzeitig zu erfolgreichen und nachhaltigen internationa-len Vereinbarungen. Das meistzitierte Beispiel ist das Mon-
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treal-Protokoll von 1987 zum Ausstieg aus den als Kiihl-mittel und Treibgas verwendeten Fluorchlorkohlenwasser-stoffen, die zum Abbau der schiitzenden Ozonschicht der Stratosphare beigetragen hatten. Mittlerweile ist diese Sub-stanz zu fast 100 Prozent durch Ersatzstoffe (die allerdings ihrerseits als Treibhausgase wirken) abgelost worden.
Der Befund
Ist die Is-it-too-late-Frage auch mit Blick auf den Klimawan-del verfruht? Eine Vielzahl von Griinden spricht dafur, dass die Warnungen vor einer »Klimakatastrophe« ernster zu nehmen sind als die Warnungen vor den »Grenzen des Wachstums« 40 Jahre zuvor. Bevolkerung, Wirtschaftsta-tigkeit und Naturverbrauch haben in diesen 40 Jahren wei-terhin stark zugenommen, sind allerdings nur selten an un-verruckbare Grenzen gestoRen. Einiges spricht dafiir, dass die Grenzen des Wachstums in Bezug auf die Klimaeffekte weniger flexibel sind. Entsprechend muss die Bewaltigung des Klimawandels fur die Weltgemeinschaft als eine der dringlichsten ethischen und politischen Herausforderungen gel ten. Dies wird deutlich, wenn man sich ftinf Annahmen klarmacht, die je fur sich von nur wenigen bestritten wer-den, allerdings erst in der Zusammenschau die Dimensio-nen des Klimaproblems erkennen lassen:
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